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Software Craftsmanship – Das Manifest für Entwickler?

„Wenn man mit Stolz Software entwickelt, seinen Job liebt und stetig besser werden will, eine Karriere mit Autonomie, einem Zweck und hervorragenden Leistungen verfolgt, dann beginnt man am besten mit der Erkenntnis, dass man ein Software Craftsman ist“. Dieser Satz stammt aus dem Ende 2014 erschienenen Buch „The Software Craftsman“ von Sandro Mancuso. Hinter diesem Statement steckt die Idee, dass Entwickler entgegen einer landläufigen Meinung keine Coding Monkeys sind, sondern ein Handwerk ausüben. Die Software Craftsmanship-Bewegung hat ihren Ursprung in den Neunzigerjahren und brachte ihre Werte auch in das Agile Manifesto ein. Die Agile Softwareentwicklung fokussierte sich jedoch aus der Sicht vieler schon bald zu sehr auf Prozesse und Vorgehensweisen (Scrum) und vernachlässigte handwerkliches Können (eXtreme Programming). Dies führte letztlich im 2009 zu einem eigenen Manifest für „Software Craftsmanship“, obwohl die „Handwerkskunst“ den agilen Werten und Prinzipien eigentlich nicht widerspricht.

Dennoch entstand über die Zeit bei vielen Softwareingenieuren ein neues Verständnis ihres Berufes: sie sahen ihre Werte und Ziele nicht mehr im reinen Optimieren von Prozessen und Abläufen, sondern wollten einfach nur mit Pragmatismus möglichst gute Software entwickeln. Die Software soll den Benutzern so früh wie möglich weiterhelfen, und alle Beteiligten sollen sich durch das stetige Dazulernen weiterentwickeln können. Dass die Agile Alliance dieses Jahr neben der „Agile Conference“ erstmals eine „Agile Technical Conference“ durchführt, mag ein Hinweis darauf sein, dass man auch dort den Mangel bemerkte und den technischen Fokus wieder verstärken will.

In der Schweiz gibt es einige Anlässe, die dem neuen Trend des Software Craftmanships eine Plattform bieten. Die populärsten sind aus meiner Sicht die SoCraTes Unconference (SOftware CRAftsmanship and TESting) und die Meetups Software Craftsmanship Zürich und Coders Only. All diese Events sind technologieunabhängig. So treffen sich Entwickler von Banken mit Hackern von Start-ups, UX-Leute diskutieren mit Personen, die direkt auf der Hardware mit wenigen Kilo-Bytes Speicher auskommen müssen.

Aber auch in Deutschland ist die Community mit der Softwerkskammer sehr aktiv. In nahezu jeder größeren Stadt gibt es eine lokale Gruppe, auch in Hamburg. Wer also Lust hat, das Handwerk zu lernen oder seine Fertigkeiten zu vertiefen, kann zu einem der zahlreichen MeetUps kommen oder sich in Slack einbringen. Wir freuen uns über neue Ideen und Impulse.

Über den Autor

Martin Reinhardt arbeitet als Architekt bei der Management- und IT-Unternehmensberatung Holisticon AG. Er beschäftigt sich dort mit der Architektur von komplexen verteilten Systemen, modernden Webarchitekturen und Build Management. Martin engagiert sich in der Software-Craftsmanship-Bewegung. Er ist seit mehreren Jahren im Bereich der Java- und Webentwicklung tätig. Außerdem setzt er sich neben der Architektur vor allem für die Testautomatisierung in verschiedenen Technologien ein und ist auch in verschieden OpenSource-Projekten zu dem Thema wie z.B. dem Galen Framework tätig.

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