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Neuland der Dinge

Eigentlich hatte unsere Bundeskanzlerin gar nicht mal so unrecht mit dem Neuland, denn tatsächlich entdecken auch jetzt noch einige das Internet für sich, so wie wir Digital Natives es auch einst getan haben. Aber neben diesem gibt es ein noch viel neueres Neuland zu entdecken: Das Internet der Dinge – oder Internet of Things (IoT), wie man Neudeutsch sagt.
Aber was soll man sich darunter vorstellen?

McKinsey hat vor kurzem ein interessantes Interview mit den zwei Vorständen Siegfried Dais und Heinz Derenbach von Bosch bzw. Bosch Software Innovations veröffentlicht.
Darin geht es um die erwarteten Auswirkungen, die das IoT auf die Industrie haben wird. Insbesondere ist von der 4. Industriellen Revolution – auch Industrie 4.0 genannt – die Rede.

Die Vierte Umdrehung
Der Gedanke ähnelt dabei einem beliebten IoT-Beispiel, dem intelligenten Kühlschrank, der selbst weiß, was gerade in ihm drin ist, was benötigt wird und wie er rechtzeitig Nachschub bestellen kann. Bei den Smart Factories geht es aber, vereinfacht gesagt, um Produktionsanlagen und Materialien. Das Interessante bei der Smart Factory, besonders aus BPM-Sicht, ist die Verschmelzung von Werkstoff und Information. In Zukunft soll jedes Ding die Information, was es ist und wofür es bestimmt ist, selbst enthalten – und auf Anfrage natürlich preisgeben. Ein System, das Daten über die gelagerten Materialien hält und damit unter Umständen von der Realität abweicht, weil bei der Erfassung der Ein- und Ausgänge ein Fehler gemacht wurde (oder schlichtweg etwas gestohlen wurde), wird nun ersetzt durch Sender wie RFID oder Markierungen wie QR-Codes an oder auf den Dingen, die ein System erkennen lassen, was de facto vorrätig ist.

Um das mal an einem Beispiel zu erklären:
Jeder kennt ja sicherlich die größtenteils automatisierten Produktionsstraßen für Autos. Natürlich werden da auch die überlebenswichtigen Bremsscheiben von Maschinen montiert. Jede Bremsscheibe weiß nun, von welchem Hersteller sie kommt, welches Modell sie ist und aus welcher Charge sie stammt. Das System, das die Produktion steuert, kann nun erkennen, ob für die anstehenden Fertigungsaufträge genügend von den benötigten Bremsscheiben vorhanden sind und würde gegebenenfalls automatisch welche nachbestellen. Da es in diesem Fall auch weiß, wann die Lieferung mit den neuen Scheiben eintreffen wird, kann es – wenn es zu Verzögerungen kommt – auch gleich die Warteschlange neu sortieren und die Kunden über die erwartete Verzögerung ihres Auftrags benachrichtigen.

Aber es geht noch weiter!
Weil das Auto als Ding natürlich auch mit dem Internet verbunden ist, lassen sich – zusammen mit den Informationen, die die Bremsscheiben in sich tragen – Rückrufaktionen schlanker gestalten. Das kann so weit gehen, dass man während der Fahrt darauf aufmerksam gemacht wird, dass in dem Fahrzeug mangelhafte Bremsscheiben verbaut sind. Gleichzeitig wird einem eine Vertragswerkstatt in der Nähe mit freier Kapazität für eine sofortige Wartung angeboten – zum Wohle des Kunden und des eigenen Images.

Fazit
IoT stellt BPM-Projekte vor ganz besondere Herausforderungen:

  • Die Materialien müssen technisch eingebunden werden.
  • Der Prozess muss so gestaltet werden, dass er mit den möglichen Nicht-Verfügbarkeiten umgehen kann.
  • Es sind viel mehr Schnittstellen zu Drittsystem vorhanden als üblich. Jede Art Material ist wie ein Drittsystem zu betrachten!
  • Die Umstellung auf so ein Verfahren muss echten Mehrwert liefern, sonst ist es nur ein akademisches Experiment.
  • Die Technologie in diesem Bereich ist neu und in steter Weiterentwicklung, die Pläne von heute können morgen obsolet sein.
  • Erfahrung mit solchen Projekten ist rar gesät.

Jeder Punkt an sich ist schon ein sehr komplexes Thema. Geballt potenziert sich das noch!
Um dem Drama aber noch zum Happy End zu verhelfen: Agil hilft hier – und eine geschickte Verknüpfung von Agil und BPM-Know-how hilft noch mehr.

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