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SOA ist tot? Es lebe Prozessorientierung auf Basis BPM/SOA!

Was war in den letzten Jahren nicht alles über SOA zu lesen: SOA ist überholt, SOA funktioniert nicht, SOA ist out, SOA ist nicht praktikabel, SOA-Projekte scheitern – um mal einige Argumentationen gegen SOA aufzuführen. Ist es wirklich so, dass SOA nicht viel mehr als ein Hype gewesen ist – vornehmlich für die Hersteller von SOA-Produkten?

Nein! Prozessorientierung auf Basis von BPM/SOA ist nach einigen Jahren des Versuchens und Testens den Kinderschuhen entwachsen und beginnt ein handfester Aspekt in der Strategie von Unternehmen zu werden.

Aber was führte dann dazu, dass SOA zwischenzeitlich für gescheitert erklärt wurde?

Unserer Erfahrung nach hat das Scheitern von BPM/SOA-Projekten in den meisten Fällen nichts mit dem SOA-Ansatz generell zu tun. Das Problem liegt eher darin, dass die involvierten Personen/Gruppen die Ansätze und Ideen hinter SOA bzw. BPM/SOA entweder nicht verstanden haben oder die Brücke zwischen BPM und SOA (der Geschäftsprozess- und der technischen Sicht) nicht schlagen konnten.

Weder handelt es sich bei BPM/SOA darum, einfach ein paar technische Konstrukte zu implementieren und zu glauben, dass eine Prozessorientierung damit erreicht ist, wenn diese Konstrukte als „Services“ miteinander verbunden werden. Ebenso wenig ist eine erfolgreiche Prozessorientierung durch die grafische Beschreibung einiger Prozessabläufe mithilfe von BPMN erreicht.

Eine erfolgreiche SOA-Initiative hat Einfluss auf verschiedene Aspekte und Disziplinen in einem Unternehmen. Natürlich ist eine serviceorientierte Architektur die Grundlage für ein gut funktionierendes BPM/SOA-System. Hinzu kommt das Verständnis, dass die Geschäftsprozessbeschreibungen (im besten Fall mittels BPMN) deutlich detaillierter durchdrungen werden müssen, als dies im klassischen BPM notwendig ist. Dies ist die Grundlage dafür, dass die sogenannten Business Process Engines die Prozesse durchlaufen können. Ein agiles Vorgehen zur Entwicklung der Geschäftsprozesse sowie zum Aufsetzen und der Umsetzung der serviceorientierten Architektur und der Services ist ein ebenso wichtiger Aspekt. Eine BPM/SOA-Landschaft entsteht nicht als Urknall-Lösung, sondern entwickelt sich über einen längeren Zeitraum Stück für Stück. Dies bedingt, dass das Vorgehen mit einem iterativen Ansatz umgehen kann. Ein agiler Ansatz wie Scrum ist dafür geradezu prädestiniert. Neben den zuvor genannten Aspekten kommen noch weiche Faktoren wie neue Rollen der Mitarbeiter hinzu. Sich verändernde Aufgaben und neue Anforderungen müssen den Mitarbeitern nahegebracht und dargestellt werden. Alles in allem sind eine Menge Punkte zu beachten, die einen gewissen Erfahrungsschatz voraussetzen.

Nichtsdestotrotz ist festzustellen, dass die Prozessorientierung auf Basis von BPM/SOA in der Realität mittlerweile deutlich erfolgreicher angekommen ist, als es in Printmedien vorhergesagt worden ist. Es ist erfreulich zu sehen, dass das Thema der Prozessorientierung auf Basis von BPM/SOA langsam aber sicher eine ernsthafte Anwendung und Verbreitung findet, die jenseits des Kaufs irgendeines SOA-Produkts steht.

Unternehmen erkennen die Mehrwerte einer Prozessorientierung auf Basis von BPM/SOA, die sie durch eine  ordentlich geplante, aufbereitete und umgesetzte BPM/SOA erhalten:

  • Geschäftsprozesse müssen konkret bis ins Detail beschrieben werden. Dies ist für die automatische Ausführung durch Business Process Engines notwendig. „Vielleicht“- oder „Mal sehen“-Entscheidungen sind nicht mehr zulässig. Das erhebt die Forderung an die Fachbereiche, ihre Geschäftsprozesse klar darzustellen – und oft werden hierbei schon Optimierungspotenziale für Prozesse entdeckt
  • Letztlich ermöglichen die (grafisch) beschriebenen Geschäftsprozesse einfachere Anpassbarkeit an sich ändernde Geschäftsabläufe
  • Das Monitoring von Geschäftsprozessen und die damit einhergehenden Möglichkeiten zur Optimierung von Abläufen sind weitere Vorteile dieses Ansatzes
  • Die Steigerung des Automatisierungsgrades bis hin zu einer Vollautomatisierung von Prozessen ist ein sehr wichtiger Aspekt für diesen Ansatz. Er gibt den Unternehmen Freiraum, ihr Geschäft weiter wachsen zu lassen, die Kunden intensiver betreuen zu können und die Mitarbeiter gezielt für die wirklich kritischen Themen einzusetzen

Nehmen wir beispielhaft die Versicherungswirtschaft: das Thema der Prozessautomatisierung auf Basis von BPM/SOA ist in dieser Branche geradezu ein Treiber für das zukünftige Geschäft. Versicherungsunternehmen verspüren zunehmend die Notwendigkeit, den Aufwand für die Bearbeitung von Versicherungsfällen reduzieren und die Durchlaufzeit je Versicherungsfall verkürzen zu müssen. Die Kosten pro Fall müssen reduziert werden, da ein Teil der Versicherungsprodukte immer kurzlebiger wird und die Marge dieser zunehmend klein ist. Dieser Bereich schreit geradezu nach Automatisierung, um den Aufwand für die Bearbeitung von Versicherungsfällen auf ein Minimum zu reduzieren. Versicherungsunternehmen, die das Thema der Prozessautomatisierung nicht aktiv angehen und nicht den Schritt von den monolithischen Systemen hin zur Prozessorientierung schaffen, werden ins Hintertreffen geraten.

Ein anderes Beispiel ist die Verlagsbranche; hier konkret solche, die Zeitschriften und kurzlebige Produkte herausgeben: auch dort hält das Thema der Prozessautomatisierung auf Basis von BPM/SOA Einzug. Treiber hierfür ist die Öffnung der Verlage in Richtung Internet. Das klassische Printmedium ist bereits heute durch Internetangebote nicht mehr der Umsatztreiber. Die Medienunternehmen sind gezwungen, sich digitalen Angeboten zu öffnen bzw. ihre Produkte über digitale Vertriebswege im Internet anzubieten. Dies bedingt auch, dass die Systeme, die hierbei benötigt werden, prozessorientiert ausgelegt sind, um eine leichtere Anpassung an immer wieder neu aufkommende Ideen und Trends zu gewährleisten. Die Anzahl der Kunden ist im Internet potenziell deutlich höher als über den Vertriebsweg Printmedium. Dies bedingt zwangsläufig, dass sich Verlage sehr viel stärker mit den Geschäftsprozessen und der Einbindung der Kunden beschäftigen müssen. Die Prozessorientierung legt auch hier den Grundstein für automatisierte Geschäftsprozesse und der permanenten Überwachung der Prozesse hinsichtlich möglicher Optimierungen in den Abläufen. Je besser die Geschäftsprozesse modelliert und technisch umgesetzt sind, desto höher ist der Durchsatz – und desto mehr Kunden können ohne großen Aufwand pro Anwendungsfall zufriedengestellt werden. Gleichzeitig steigt die Kapazität hinsichtlich der Online-Kunden.

Dies sind beispielhaft zwei Branchen, in denen das Thema der Prozessorientierung auf Basis von BPM/SOA mittlerweile ernsthaft angekommen ist und angegangen wird.

Ist BPM/SOA gar doch nicht nur ein Hype gewesen? Ich denke, dass die dargestellten Beispiele zeigen, dass sich BPM/SOA mittlerweile eine festen Stellenwert in den Unternehmen erobert hat und sich zunehmend ausbreitet.

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