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Was kostet Software Lifecycle Management – wenn man darauf verzichtet?

Enno Thieleke hat in seinem Post Die Stiefmutter in Software-Projekten einen guten Überblick über Software Lifecycle Management (SLM) gegeben. Er hat u.a. aufgegriffen, dass ein professionelles SLM in vielen Projekten nicht betrieben wird, weil es den Verantwortlichen zu teuer ist. Wenn man ausschließlich die finanzielle Seite betrachtet, ist das ist je nach Laufzeit des Projekt vielleicht noch nachvollziehbar. Denkt man aber an die gesamte Lebenszeit einer Software oder daran, dass man gar mehrere Softwaresysteme betreibt, so stellt sich das schon ganz anders dar. Mir stellt sich da immer die Frage, was etwas kostet, wenn ich darauf verzichte. Ich möchte hier eine Beispielrechnung aufmachen, die Sie leicht auf Ihre eigene Situation anpassen können.

Fumble Unlimited

Betrachten wir die fiktive Firma Fumble Unlimited: Sie entwickelt und betreibt zwei Softwaresysteme mittlerer Größe. Der Releasezyklus für beide Systeme beträgt 4 Wochen. Während eines solchen Zyklus‘ bauen und liefern die Entwickler die Software insgesamt durchschnittlich neunmal mit den hier angegebenen Aufwänden:

  • Sechsmal für eigene Tests auf die Testumgebung – 2 Stunden Aufwand je Lieferung
  • Zweimal für die fachlichen Tests auf die Abnahmeumgebung – 3 Stunden Aufwand je Lieferung
  • Einmal für den produktiven Betrieb – 5 Stunden Aufwand je Lieferung

Das macht je Releasezyklus 23 Stunden Aufwand, bei zwei Softwaresystemen insgesamt 46 Stunden. Auf ein Jahr hochgerechnet – der Einfachheit halber rechne ich mit 53 Wochen – ergibt das gerundet 610 Stunden. Die Arbeitsstunde eines Entwicklers, der sich um das Build-und-Release-Management kümmert, kostet Fumble Unlimited 50 €. Damit ergeben sich Kosten von 1.150 € je Releasezyklus und Softwaresystem oder insgesamt 30.500 € pro Jahr.

Das kleine Einmaleins des Software Lifecycle Management

Mit einem professionellen SLM reduziert sich der Aufwand für das Bauen der Software auf Null, da dies im Rahmen der Continuous Integration automatisiert geschieht. Die Lieferung in die Testumgebung erfolgt ebenfalls automatisiert. Die Lieferung in die Abnahmeumgebung und den produktiven Betrieb erfolgt zwar auf Knopfdruck, ein Restaufwand bleibt jedoch für organisatorische Abstimmungen. Hier gehe ich von einer Stunde für die Abnahmeumgebung und zwei Stunden für den produktiven Betrieb aus. Somit ergeben sich 4 Stunden Aufwand (200 €) je Softwaresystem und Releasezyklus oder 106 Stunden (5.300 €) im Jahr.


Fumble Unlimited bezahlt also jedes Jahr 25.200 € für ein unprofessionelles, nicht automatisiertes SLM. Allein diese Zahl sollte schon mal zum Nachdenken bewegen.

Unquantifizierbare Aspekte

Weiteres Denkfutter liefern Aspekte, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lassen oder nur indirekt auf die Kosten für SLM einwirken. Durch die hohe Automatisierung des Prozesses und die eingeflochtene automatisierte Qualitätssicherung ist eine verbesserte Qualität der Software und eine schnellere Time-to-Market zu erwarten. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist, dass Entwickler selten Spaß an den immer wiederkehrenden manuellen Aufgaben im Rahmen des Build-und-Release-Managements der Software haben. Werden sie hiervon befreit, wirkt sich die gestiegene Motivation positiv auf die Produktivität aus.

Fazit

Zugegeben: Die aufgemachte Rechnung reduziert sich auf die rein finanzielle Betrachtung und fokussiert stark auf Build-und-Release-Management als Teilbereich des SLM. Daneben gibt es viele andere Aspekte, die ich im letzten Abschnitt nur angerissen habe. Die Rechnung zeigt, dass sich professionelles Software Lifecycle Management mit einem hohen Automatisierungsgrad meist schon aufgrund der nackten Zahlen lohnt. Zieht man noch weitere – unquantifizierbare und weiche – Aspekte hinzu, ist es eigentlich unverzichtbar.

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