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Architekturmanagement – massives Einsparungspotenzial?

Heute war wieder einer der Tage, an denen ich mich frage, wie ein „Experte“ in einem Fachartikel dem Leser auf Basis eines abstrakten Vorgehensmodells bzw. Managementansatzes ein unglaublich hohes Kosteneinsparungspotenzial seiner IT-Kosten bzw. IT-Investitionen in Aussicht stellen kann, ohne den Beweis für diese Behauptung zu führen bzw. überhaupt führen können. Fakten aus empirischen Untersuchungen sucht man leider vergebens. Stattdessen wird dem Leser suggeriert, dass dieses oder jenes Verfahren einzusetzen ist und sich dann unglaubliche Kosten- und/oder Investitionseinsparungen ganz von selbst ergeben. Ich finde es ärgerlich, wenn man einen Artikel liest, in dem der Autor einfach mal so eine deutlich hohe Kenngröße für Kosteneinsparungen in der IT nennt und dies durch nichts Konkretes im Artikel untermauert wird.

Richtig interessant wird es dann, wenn dieses Kosteneinsparungspotential mit abstrakten Ansätzen wie beispielsweise EAM (Enterprise-Architekturmanagement) oder Architekturmanagement begründet wird. Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich bin ein Verfechter solcher Ansätze, deren strategisches und organisatorisches Potenzial meiner Meinung nach in Deutschland noch deutlich unterbewertet ist – eine ernsthafte und stringente Anwendung vorausgesetzt. Dass sich mit EAM bzw. Architekturmanagement ein gewisses Potenzial für Einsparungen in einem Unternehmen erschließen lässt, darf vermutet werden. Führt doch das Management einer unternehmensweiten Architektur dazu, dass Einsparungsmöglichkeiten sichtbar werden, beispielsweise durch bessere Prozessausrichtungen oder einen höheren Grad an Wiederverwendung von bestehenden Komponenten/Artefakten.

EAM oder ähnlich abstrakte Ansätze können trotzdem nicht als allgemein gültige Belege für massive Einsparungen hergenommen werden. Schon gar nicht sollten hierbei Pauschalaussagen hinsichtlich hoher Kosteneinsparungspotenziale der IT getätigt werden. Solche Aussagen können und dürfen nur dann getroffen werden, wenn der Kontext bekannt ist und die Möglichkeiten zur Einsparung in diesem Kontext konkret beleuchtet worden sind.

Letztlich sind es genau solche vertrieblich motivierten Pauschalaussagen, die dafür sorgen, dass sich Unternehmen von solchen Ansätzen distanzieren oder der Einführung solcher Ansätze sehr negativ gegenüber stehen, da die versprochenen oder zumindest in Aussicht gestellten Einsparungspotenziale in der Realität bei weitem nicht gehoben werden können. Dies ist sehr schade, da den Unternehmen hierdurch wirklich Verbesserungspotenzial verloren geht.

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