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Agile Werte spielerisch erlernen

Über agile Werte zu lesen ist eine tolle Sache. In der Literatur klingt alles so schön einfach: Selbstorganisation, Gruppenschätzungen, Vertrauen in das Team und die Vorgesetzten, Teamarbeit, Ehrlichkeit, Kommunikation… Alles liest sich toll, schöne heile Welt. Jeder, dem diese Werte erklärt werden, fragt sich allerdings sofort, wie das in seinem Umfeld funktionieren kann. An dieser Stelle kann man mit „Unterricht zum Anfassen“ dazu beitragen, dass diese Werte und Praktiken anschaulicher rüberkommen.

Wer erlebt hat, wie es sich anfühlt, bestimmte Praktiken einzusetzen, hat einen deutlich höheren Lernerfolg, als derjenige, der nur davon gehört hat. In unseren Trainings machen wir intensiven Gebrauch von agilen Spielen. Unsere Teilnehmer geben uns immer wieder die Rückmeldung, dass gerade diese spielerischen Elemente diejenigen Teile sind, die vom Training am intensivsten wahrgenommen werden.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle in loser Reihenfolge einige der beliebtesten Spiele vorstellen. Nachspielen und Kommentieren ist natürlich ausdrücklich erwünscht! Eine wunderbare Seite zu dem Thema ist übrigens www.tastycupcakes.com, der auch dieses Spiel entnommen ist.

Als erstes Beispiel wird heute das Spiel „Gruppenschätzung“ vorgestellt. Lernziel ist, zu erkennen, dass Gruppenschätzungen viel besser als Einzelschätzungen sind.

Zutaten:

  • eine mittelgroße Gruppe, mindestens 10 Teilnehmer, je mehr, desto besser
  • Papier und Stift für jeden

Regeln:

  • Man denke sich vorher(!) etwas schwer Zähl- und Schätzbares aus und schreibe die genaue Anzahl auf einen versteckten Zettel
  • Während des Trainings bittet man jeden Teilnehmer, die geschätzte Anzahl auf einen Zettel zu schreiben
  • Resultate einsammeln und den Durchschnitt berechnen
  • Daumen drücken und den eigenen Zettel hervorholen. Die Zahl darauf sollte relativ dicht am Gruppendurchschnitt sein. Vorsichtshalber kann man vorher verkünden, dass es sich um ein Experiment handelt, dann werden die Teilnehmer gnädig sein, wenn das Ergebnis nicht ganz exakt übereinstimmt.

Beispiele für schätzbare Dinge:

  • Anzahl von Wörtern auf einem Blatt Papier, das man zeigt
  • Anzahl von Erbsen in einem Glas
  • Anzahl an Büchern auf amazon.com

Hilfreiche Tipps:

  • Ein Notebook mit einem offenen Excel kann helfen, die Zahlen schnell einzusammeln und den Durchschnitt zu berechnen
  • Ein Debriefing ist unbedingt notwendig. Normalerweise wird die Standardabweichung recht groß sein, wahrscheinlich wird keiner den genauen Wert treffen, obwohl man im Schnitt recht dicht dran ist. Das spricht für die „Weisheit der Gruppe“ und die Wichtigkeit der Streuung

Lernziele:

  • Je größer und gemischter die Gruppe ist, umso besser
  • Gruppenschätzungen sind besser als Einzelschätzungen (DAS Argument für Planning Poker!)

Weitere Spiele folgen demnächst. Viel Spaß damit!

Über den Autor

Carsten Sahling

Als klassischer Projektmanager (GPM), Certified Scrum Professional, Professional Scrum Master, Agile Project Management Practitioner, agiler Coach und Trainer vereine ich verschiedene Sichtweisen des Projektmanagements und helfe damit insbesondere größeren Unternehmen, die traditionell eher klassisch aufgestellt sind, bei der Einführung in die agile Denkweise und bei der erfolgreichen Durchführung auch großer agiler Projekte.

Ein Kommentar

  1. Hallo Carsten,
    danke für deine Artikel, aus denen ich gerade ein paar Anregungen für agile Retrospektiven mitnehmen konnte :-) Beim Stöbern ist mir aufgefallen, dass der Link zu tastycupcakes auf die falsche Seite führt. Bestimmt meintest du diesen hier: https://www.tastycupcakes.org/
    Viele Grüße
    Vera

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